Ein Highlight im Jahresablauf junger Leichtathlet*innen ist das wohl größte Hallensportfest im deutschsprachigen Raum, das Werner-von-Linde-Sportfest, zu dem Mannschaften sogar aus Südtirol anreisen.
Für viele ist das Sportfest der krönende Abschluss der Hallensaison und findet in diesem Jahr für alle Altersklassen an einem Sonntag statt.
50 Jahre Linde-Sportfest
Von Dr. Astrid von Linde
Fünfzig Jahre Werner‑von‑Linde‑Sportfest - das ist mehr als eine Zahl. Es ist eine Geschichte von Bewegung, von Begeisterung und von Gemeinschaft. Meine Oma, Käte von Linde, soll vor fünfzig Jahren gesagt haben: „Wenn wir nur ein Kind von der Straße geholt haben, hat sich der Aufwand gelohnt!“
Als ich dieses Jahr in der Werner‑von‑Linde‑Halle auf dem Olympiagelände stand und auf das bunte Treiben blickte, wurde mir sehr bewusst, wie viel Liebe und Herzblut in dieser Veranstaltung stecken - und wie lebendig sie in diesen fünfzig Jahren geblieben ist.
Das diesjährige Leichtathletikfest hat eindrucksvoll gezeigt, was „das Linde“ seit Jahrzehnten ausmacht. Weit mehr als ein Kind hat sich angemeldet, es waren 950 Kinder die sich angemeldet hatten, insgesamt kamen wir damit auf rund 2.200 Meldungen zu den Wettkämpfen. Diese Zahlen zeigen vor allem Begeisterung an der Bewegung und am Sport. Weitsprung, 60 m Lauf, Kugelstoßen, Hürdenlauf, Staffelläufe und viele weitere Disziplinen füllten den Tag mit sportlicher Vielfalt und Anfeuerungsrufen aus dem Publikum. Die Werner‑von‑Linde‑Halle bot dafür erneut den idealen Rahmen: vertraut, mit neuester Technik und zugleich voller sportlicher Fairness. Das zeigte sich, als einer der jungen Athleten beim Hürdenlauf stürzte, aufstand und den Lauf beendete. Laut wurde er von allen in der Halle angefeuert, denn auch das ist sportliche Leistung. Nicht nur gewinnen, sondern auch, DASS er ins Ziel kam.
Dort wurde er von den anderen Teilnehmern getröstet und das aufgeschlagene Knie wurde, nach tröstenden und aufbauenden Worten der Kampfrichter, versorgt. Auch dafür steht „das Linde“, für den Zusammenhalt und die Zugehörigkeit in der sportlichen Gemeinschaft. Jedes Jahr sind solche großen und kleinen Geschichten überall in der Halle zu sehen und zeigen, wie wichtig dieses soziale Miteinander für die Kinder ist.
Begleitet wurde das Sportfest von Kaiserwetter. Die Sonne und beste Bedingungen trugen dazu bei, dass die sportlichen Leistungen durchweg beeindruckend waren. Noch wichtiger: Die Stimmung war von Anfang bis Ende gut und fröhlich. Kinder, Jugendliche, Trainerinnen und Trainer, Kampfrichter und Kampfrichterinnen, Eltern und Gäste – alle trugen ihren Teil zu dieser besonderen Mischung bei, die „das Linde“ so unverwechselbar macht.
Ein zentrales Qualitätsmerkmal unseres Sportfestes ist seit vielen Jahren die professionelle Durchführung der Wettkämpfe. Auch diesmal stellte der Bayerische Leichtathletik‑Verband modernste Technik für die Zeitmessung zur Verfügung. Diese Unterstützung ist nicht selbstverständlich, und sie sorgt dafür, dass sportlichen Ergebnisse präzise und schnell erfasst werden. Für das Werner‑von‑Linde‑Sportfest bedeutet das: Olympiagefühl für die Kinder, die bei der Siegerehrung ihren Namen und ihre Zeit auf der Anzeige sehen.
Dass die Organisation reibungslos lief, war jedoch vor allem den Menschen zu verdanken, die im Hintergrund Verantwortung übernommen haben. Knapp 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie Kampfrichterinnen und Kampfrichter waren im Einsatz. Ohne dieses Engagement wäre eine Veranstaltung dieser Größe nicht zu stemmen. Sie sorgten für klare Abläufe, faire Wettbewerbe und eine ruhige, professionelle Atmosphäre. Dafür gilt ihnen mein ausdrücklicher und persönlicher Dank. Ehrenamt ist keine Selbstverständlichkeit - hier ist es gelebte Realität.
Neben dem sportlichen Programm gab es in diesem Jubiläumsjahr auch einen kleinen Festakt. Er richtete sich an die Presse, an langgediente Sportlerinnen und Sportler sowie an ausgewählte Vertreter der beteiligten Vereine. Mit dabei waren unter anderem Marion Schöne, Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH, ihr Vorgänger Wilfrid Spronk, der uns jahrzehntelang begleitet hat, die aktuellen Vizepräsidenten des TSV 1860, Christian Dierl und Heinz Schmidt, sowie der ehemalige Vizepräsident des TSV 1860, Hans Sitzberger. Außerdem viele Sportler und langjährige Freunde wie der ehemalige Athlet, Stabhochsprung, Olympiateilnehmer und vielfacher deutscher Meister, Dr. Bernhard Zintl. Hanne Dück (Kassenwartin der Leichtathletikabteilung), Uschi Hagen, die schon beim ersten Sportfest als Aktive dabei war und nun als Kampfrichterin immer noch mitwirkt.
Alois Mittermüller, der beim ersten Linde-Sportfest Abteilungsleiter der Leichtathletikabteilung war und immer noch vorbeischaut, ebenso wie Hermann Wandel, ehem. Trainer und Mitorganisator des Lindesportfestes.
Außerdem Familie Holländer (Kampfrichter) und Familie Hartl, deren Sohn Paul Hartl gerade Europameister im Framerunning geworden ist, sowie Mitglieder der Familie von Linde, inzwischen in der vierten Generation. Dieser Moment des Innehaltens war bewusst schlicht gehalten – und er bot Raum für Dank, Rückblick und Ausblick.
Ein besonderer Dank gilt Karl Rauh. Über Jahrzehnte hinweg hat er die Organisation rund um das Werner‑von‑Linde‑Sportfest verantwortet und geprägt. Mit sehr hoher Verlässlichkeit und persönlichem Einsatz hat er das Fundament gelegt, auf dem wir heute stehen. Weder Corona noch der Tod meines Vaters, Dr. Albrecht von Linde im Jahre 2021, der bis dahin Schirmherr war, konnten „dem Linde“ etwas anhaben. Und dass es heute noch stattfindet, verdanken wir Karl Rauh. In diesem Jahr hat er den Staffelstab an mich übergeben und ich werde zukünftig das Meeting verantworten und weiterführen. Diese Übergabe ist für mich Verpflichtung und Ehre zugleich. Ich trete in große Fußstapfen - und tue das mit Respekt vor dem Erreichten und mit Freude auf das Kommende.
Dass „das Linde“ so lebendig ist, liegt an seiner klaren Ausrichtung: Kinder und Jugendliche für Leichtathletik zu begeistern, ihnen sportliche Wettkämpfe zu bieten und entsprechende Werte zu vermitteln. Dieser Kern bleibt. Gleichzeitig entwickeln wir das Fest weiter. Ein wichtiges Thema für die kommenden Jahre ist die Inklusion. Paul Hartl nahm beim Jubiläumssportfest am 60-m-Lauf und als Demolauf am 200-m-Lauf mit seinem Framerunner teil und zeigte uns, wie dieser Sport aussieht. Sport soll verbinden – unabhängig von individuellen Voraussetzungen.
Wenn ich auf dieses Jubiläum zurückblicke, sehe ich vor allem eines: Kontinuität durch Engagement und viel Herzblut bei den Beteiligten. Viele der Strukturen funktionieren, weil Menschen Verantwortung übernehmen und über Jahre hinweg dabei bleiben. Andere kommen neu hinzu, bringen frische Ideen und neue Perspektiven ein. Diese Mischung ist unsere Stärke. Sie hat das Werner‑von‑Linde‑Sportfest durch fünf Jahrzehnte getragen.
Ich freue mich auf die nächsten Feste, auf volle Hallen, konzentrierte Starts, faire Wettkämpfe und sportliches Miteinander. Und ich freue mich auf die Aufgabe, diesen besonderen Wettbewerb gemeinsam mit vielen Engagierten weiterzuführen und behutsam weiterzuentwickeln.
Wir feiern in diesem Jahr nicht nur ein Jubiläum. Wir feiern eine Haltung. Sport als Gemeinschaftsleistung! In diesem Sinne blicke ich mit Zuversicht nach vorn und sage aus voller Überzeugung: Wir freuen uns auf die nächsten 50 Jahre.
Die Wettkämpfe finden in der Werner-von-Linde-Halle statt, die Bestandteil des Olympiaparks in München ist. Sie liegt in westlicher Richtung hinter dem Olympiastadion und ist durch einen unterirdischen Gang verbunden. Sie diente bei den Olympischen Spielen 1972 in München als Aufwärmhalle.
Im Jahr 2006 wurde die Halle für ca. 12 Millionen Euro umgebaut. Wesentlich eingesetzt für den Umbau hat sich Karl Rauh, der Abteilungsleiter Leichtathletik des TSV München v. 1860 und damaliger Präsident des Bayerischen Leichtathletikverbandes. Am 20. Januar 2007 wurde die Halle wieder eröffnet.
Olympiapark München
Spiridon-Louis-Ring 21
80809 München
Werner von Linde wurde am 06.01.1904 geboren, war aktiver Leichtathlet, Ruderer und Rugbyspieler, und stand 1936 im Reservekader der Olympischen Spiele in Berlin. Nach dem Krieg baute er mit Dr. Otto Betz und Ludwig Schmidt die Leichtathletikabteilung des TSV München von 1860 wieder auf. Gemeinsam sammelten Sie Geld für ein großes Leichtathletikstadion in München und trugen damit zur Finanzierung des Olympiastadions bei. Beide waren Befürworter der Olympischen Spiele von 1972 und unterstützten die Olympiabewerbung.
Nach den Olympischen Spielen wurde Werner von Linde Aufsichtsratsvorsitzender der Olympiapark GmbH und setzte sich aktiv für den Erhalt der Aufwärmhalle ein, welche nach den Olympischen Spielen abgerissen werden sollte.
Am 04.07.1975 verstarb Werner von Linde bei einem Unfall. Da die Aufwärmhalle zu dieser Zeit noch keinen Namen hatte, wurde Werner von Linde aufgrund seines vehementen Einsatzes für die Halle ihr Namensgeber.
