Der TSV 1860 trauert um Inge Schell (1939-2025)
Mit dem Tod von Inge Schell hat die Leichathletikabteilung des TSV 1860 eine der herausragenden Athletinnen ihrer langen Geschichte verloren, die den Verein bei zahlreichen internationalen Wettbewerben vertrat und in den 1960er Jahren eine beeindruckende Zahl von nationalen Titel errang.
Die junge Inge Schell trat am 1. August 1953 dem TSV 1860 bei, dem sie bis an ihr Lebensende treu bleiben sollte. Ihre Spezialdisziplin war der Hürdensprint, doch wenn sie gebraucht wurde, besonders in Staffeln und Mannschaftswettwerben, leistete sie auch in anderen Disziplinen ihren Beitrag.
Bereits als B-Jugendliche nahm sie 1954 an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil und errang mit der 4x100m-Staffel des TSV 1860 den vierten Rang. Im gleichen Jahr gewannen die jungen Löwinnen mit Inge Schell die Deutsche Jugendmannschaftsmeisterschaft, ihr erster bedeutender Titel. 1955 folgte ein fünfter Platz über 80m Hürden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften; in den beiden folgenden Jahren ging es dann sogar jeweils auf Rang 2.
1958 nahm sie erstmals an den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen teil, wo sie im Hürdensprint den sechsten Platz und mit der Sprintstaffel der Löwen sogar Rang 3 belegte. Im gleichen Jahr holten die Leichathletinnen des TSV 1860 zudem erstmals die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Inge Schell war über 80m Hürden, 100m und in der Sprintstaffel dabei. Diesen Mannschaftstitel konnten die Löwinnen mit ihr auch 1959, 1960 und 1964 erringen; dazu kamen 1962 und 1967 jeweils Platz 2 und 1963 der dritten Rang.
In den 1960ern entwickelte sie sich dann in der Nachfolge von Zenta Kopp zur besten deutschen Hürdensprinterin. Von 1962 bis 1968 erreichte sie bei den Deutschen Meisterschaften immer den Endlauf, den sie 1964, 1965, 1967 und 1968 als Erste beendete, und 1966 als Zweite. Auch in der Halle dominierte sie und holte von 1965 bis 1969 durchgehend den Titel über die in der Halle üblichen 60m Hürden.
Diese Leistungen hatten ab 1962 auch eine Reihe von Berufungen zu Länderkämpfen (insgesamt waren es 25) und Nominierungen für internationale Wettbewerbe zur Folge. 1963 vertrat Inge Schell die deutschen Farben bei den vorolympischen Spielen in Tokio. 1967 stand sie im Team Europa bei einem "Erdteilkampf" in Montreal. 1965 und 1967 startete sie im bundesdeutschen Team beim damals sehr populären Europacup für Ländermannschaften. Bedeutender aber der fünfte Platz, den sie 1966 bei den Europameisterschaften erreichte.
Krönung einer internationalen Karriere ist natürlich immer die Olympiateilnahme. Die blieb ihr 1964 versagt, da sie im damals noch notwendigen Qualifikationsrennen für das gesamtdeutsche Aufgebot knapp geschlagen auf Platz 4 landete und den notwendigen dritten Platz verfehlte. 1968 war es dann aber soweit und Inge Schell konnte sich in die große Reihe von olympischen Leichtathleten und -athletinnen aus den Reihen des TSV 1860 einreihen. In Mexiko erreichte sie mit einem dritten Platz im Vorlauf den Zwischenlauf, in dem sie sich dann als Siebte nicht für den Endlauf qualifizieren konnte.
