EIN GROSSES SPORTLERHERZ SCHLÄGT NICHT MEHR

Zum Tod von Albrecht von Linde 


Die Nachricht vom Tod  von Dr. Albrecht von Linde am 12. März 2021 schlug wie eine Bombe ein!

Es konnte kaum jemand fassen, dass der ehemalige Präsident des TSV München v. 1860 und jahrelange Förderer der Leichtathletik mit 77 Jahren in seinem Haus am Starnberger See friedlich eingeschlafen ist. 

Fit, von der Sonne gebräunt, immer tadellos gekleidet und zu jedem Thema zu jeder Konversation bereit, so kannte man ihn nicht nur beim Lindesportfest, sondern auch bei seinen regelmäßigen Teilnahmen bei Mitgliederversammlungen des Vereins und bei Sitzungen der Leichtathletikabteilung. 

Noch im Januar besprachen wir die coronabedingte Absage von einem Skiurlaub in der Schweiz. 

Als Kriegskind wurde er in eine Sportlerfamilie hineingeboren. Seine Mutter war in Brandenburg erfolgreich in der Leichtathletik aktiv, sein Vater betrieb Zehnkampf, Rudern und auch Rugby. Der Sport wurde ihm also in die Wiege gelegt. Er war ein eiserner Verfechter der olympischen Idee, nicht aber der kommerziellen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. 

„Der Sportler ist bei Olympia nur noch eine Marionette und nicht mehr der Schwerpunkt der Idee. Wenn Olympische Spiele nur noch an autokratische Länder vergeben werden können, da Gesellschaften mit demokratischen Systemen die Ausrichtung ablehnen, ist etwas faul im Staate“, so seine Meinung zu Olympia, womit er nicht Unrecht hatte. 

Ich hatte die Familie von Linde Mitte der 70er Jahre anlässlich des damaligen „Lindesportfestes“ kennengelernt, zu dem jeweils die ganze Familie anreiste, sehr oft begleitet vom damaligen Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Ludwig Koppenwallner. 

Werner von Linde, der Vater, war Siemensvorstand und einer der eifrigsten Geldsammler für die Olympischen Spiele 1972. Er setzte sich nach den Spielen für den Erhalt der „Lindehalle“ im Olympiagelände ein, die nach seinem Unfalltod im Jahre 1975 nach ihm benannt wurde. 

Die Leichtathletikabteilung des TSV München v. 1860 richtete in Folge ein Schüler- und Jugendsportfest in der Halle aus, das inzwischen zum 44. Mal in direkter Folge zur Austragung kam uns sich mit internationaler Beteiligung und über 1000 Teilnehmern zum größten Schüler- und Jugendsportfest Deutschlands entwickelte. 

Nach dem Tod der Eltern übernahm Dr. Albrecht v. Linde die Schirmherrschaft begleitet nun von seinen beiden Kindern Astrid und Armin. 

Dr. Albrecht von Linde, promovierter Diplomvolkswirt, war in all den Jahren bei wechselnden Vorständen in der Leichtathletikabteilung immer die tragende Stütze. Durch seine finanzielle Unterstützung konnte die Leichtathletikabteilung auch schwere Stürme in der Vereinsgeschichte überstehen. Dafür wurde er von der Mitgliederversammlung des TSV München v. 1860 im Jahre 2018 zum Ehrenmitglied ernannt.

Im März 2007 wurde er zum Präsidenten des TSV München v. 1860 gewählt. Das war für ihn eine besondere Herausforderung, aber auch eine besondere Ehre. Seine Amtszeit stand allerdings unter keinem guten Stern. Der TSV München v. 1860 kämpfte ums Überleben. Die Anteile an der Allianzarena mussten verkauft werden, der Nachlass des Präsidenten Wildmoser lastete schwer auf seinen Schultern. Banken drohten mit Kündigung von Krediten, wenn nicht nach ihrer Nase getanzt wurde. So hatte er es mit Gremien wie Aufsichtsrat, Präsidium und Geschäftsführung als Nichtfußballer nicht leicht. 

„Eigentlich war er für die Aufgabe ein zu feiner und edler Mensch“, so ein Mitstreiter dieser Zeit.

Er hatte Charisma. Charisma als Eigenschaft ist eine die eine Seite, Charisma braucht jedoch auch einen Resonanzraum, in dem er zur Geltung kommen kann. Leider war dieser durch das vom Fußball und von Machtrangeleien geprägte Umfeld  nicht vorhanden. Nachdem er dies erkannte, vorher noch den ungeliebten Geschäftsführer entlassen hatte, trat er vom Präsidentenamt im Mai 2008 zurück. 

Dr. Albrecht von Linde war nicht nur von seiner Abstammung her ein „Blauer“, sondern auch einer von Überzeugung. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger im Präsidentenamt war er bei jeder Delegierten- und inzwischen Mitgliederversammlung immer bewährt mit einem 60-er Schal und -abzeichen anwesend. 

„Wählen dürfen, heißt mitbestimmen können und sich bei der Versammlung austauschen zu können, ist gelebte Demokratie“, war seine Maxime. 

Seine beiden Kinder, Astrid, eine Ärztin, und Armin, als Investmentbanker in London tätig, bekundeten bereits, das Engagement ihres Vaters in Bezug auf das „Lindesportfest“ und auf die Leichtathletikabteilung weiterzuführen. Durch dieses Engagement einer wird die Tradition in dritter Generation weitergeführt - auch eine einmalige Geschichte in der Vereinswelt!

Die Abschiedfeier soll nun coronabedingt im Sommer, dann hoffentlich mit Zulassung von vielen Besuchern stattfinden. 

Die Leichtathletikabteilung des TSV München v. 1860 wir Dr. Albrecht von Linde immer ein ehrendes Gedenken bewahren. 

(Karl Rauh)